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Karl Lagerfeld: Visions

Große Bühne für Karl den Großen

Wie viel Perfektion verträgt ein Foto? Man sollte meinen, nie genug. Karl Lagerfeld (1933 bis 2019) lotete die Grenzen aus, seit er 1987 erstmals eine Hasselblad in die Hand nahm. Das Ernst Barlach Museum in Wedel präsentiert eine Auswahl seiner Werke noch bis 24. Februar 2020. Neben 150 Fotografien sind Dokumentationen, Filme und Videos zu sehen.

Der Modezar sammelte für seine Bilder auch alles zusammen, was zum Kanon anerkannter Kunst gehört: Das Model Jake Davies ließ er Szenen aus Homers „Ilias“ nachspielen, er inszenierte den antiken Liebesroman „Daphnis und Chloe“ in bukolischer Landschaft und zitierte in seinen Aufnahmen Malerfürsten wie Lyonel Feininger und Edward Hopper sowie den Ahnherren der Modefotografie, Horst P. Horst (1906 bis 1999).

Allerdings lässt der Erfinder des „Total Look“, also der vollendet aufeinander abgestimmten Bekleidung, keine Stilbrüche zu. Doch gehört der Fehler wesenhaft zur Fotografie. Er bedeutet einen Einbruch der Realität, der mit einem Vogel begann, der 1835 auf einer Daguerreotypie als schwarzer Fleck auftauchte. Anhand dieses winzigen Makels feierte der Literaturkritiker Jules Janin die Kraft der neuen Technik, jeden Augenblick zu bewahren. Insofern sind Lagerfelds Inszenierungen großartig, schwächeln aber als Fotografien auf höchstem Niveau. Trotzdem: Angesichts der Glanzleistungen ist die Ausstellung sehenswert.


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