Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
| Kategorien:  Literatur  

"Kodak City" bildet Kulisse für analoges Drama

Filmriss

Im Jahr 2012 fiel ein Riese, und nur wenige spürten die Erschütterung. Kodak, seit über hundert Jahren eine Institution im Kamerageschäft, meldete nach langem Siechtum endgültig Konkurs an. Die Firma verkaufte für eine halbe Milliarde US-Dollar zahlreiche Patente, die an neue Industriegiganten wie Samsung, Microsoft, Google und Apple gingen. Nur im Druckbereich ist die Firma noch gut aufgestellt. Das Drama inszenierte die Fotografin Catherine Leutenegger in ihrem Bildband „Kodak City“. Als Bühne dient die Stadt Rochester im US-amerikanischen Bundesstaat New York, die seit 1880 eng mit der Firma verbunden ist.

Leuteneggers Bilder – aufgenommen teils mit dem Film „Kodak Portra“, teils mit einer Digitalkamera – führen eine Geisterstadt vor. Tatsächlich geht es Rochester aber relativ gut: Ein Grund ist, dass sich die Stadtverwaltung nicht allein auf Kodak als Finanzier und Arbeitgeber verließ, sondern seit den 1990er Jahren verschiedenartige Betriebe anlockte. Andere entstanden auf der Basis des Wissens, das die gut ausgebildeten Arbeiter vor Ort besaßen. Außerdem füllt der riesige Mischkonzern ITT die Lücke, die Kodak hinterließ.

Wenn Leutenegger verlassene Orte in Rochester zeigt, präsentiert sie keine Sozialstudie. Vielmehr bezeugen die verwaisten Fabrikhallen die Leere, die die analoge Ära hinterlassen hat. Für manche Fotografen verschwand ein Teil der eigenen Geschichte, die eng mit den dottergelben Filmverpackungen verbunden war. So ziegt der Bildband das berührende Porträt einer Stadt und bildet zugleich den Abgesang auf die Ära der analogen Fotografie.

Catherine Leutenegger: Kodak City. Kehrer 2014, Hardcover, 160 Seiten, ISBN 978 3 86828 462 1, Preis: 39,90 Euro

 


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