Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
| Kategorien:  Literatur  

Neues Sehen

60 Klassiker von Aenne Biermann

Im Jahr 1930 erschien im Verlag Klinkhardt & Biermann der zweite Band der Serie „Fototek“, die aber nie die geplanten acht Ausgaben erreichte. Die samt Werbung 74 Seiten präsentierten eine Werkauswahl der Autodidaktin Aenne Biermann, die drei Jahre später erkrankte und starb. Viele Ideen, die hinter ihren Bildern stehen, sind noch immer richtungsweisend.

Biermanns Förderer, der Kunstkritiker Franz Roh (1890 bis 1965), attackierte im Vorwort leidenschaftlich die zahlreichen Vorwürfe jener Zeit, etwa dass der Gestaltungsspielraum eng, das Verfahren zu mechanisch, das Ergebnis zu dokumentarisch sei. Aber gerade das feierten die Vertreter von Kunstrichtungen wie dem Neuen Sehen. Sie wollten jeden Gegenstand ohne subjektiven Firlefanz erfassen. Pure Technik, reine Objekte und klare Abbildung – das waren Glaubensinhalte der neuen Ästhetik.

Biermanns Foto eines durchgeschnittenen Rotkohl mag angesichts des hohen Anspruchs deutlich abfallen, darf aber als ebenso revolutionär gelten wie Andy Warhols Suppendosen. Wer sich darüber wundert, sollte die Aufnahmen im Buch mit von Bilderflut unverbrauchten Augen betrachten: Sie sind reich an überraschenden Linienführungen, kühnen Blickwinkeln, ausgewogenen Tonwerten und abstrakten Mustern. 

Aenne Biermann: 60 Fotos. Klinkhardt & Biermann 2019. 104 Seiten, broschiert, Deutsch/Englisch/Französisch, ISBN 978 3 943616 59 0, Preis: 22 Euro


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