Erstellt von FOTO HITS-Redaktion
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Wie große Kunst produziert wird

Sherrie Levine schaut hinter die Masken des Kunstbetriebs

Die Künstlerin Sherrie Levine wusste: Was vervielfältigt werden kann, besitzt als Massenware nur geringen Wert. Nur ein Original schafft es, etwa als Foto-Ikone seinen Wert zu bewahren - seine tausendfachen Abzüge haben ihn verloren. Sie sind höchstens noch kulturell wichtig, aber im Gegensatz zum Original ökonomisch bedeutungslos. Unter diesem Gesichtspunkt vervielfältigte Levine im Jahr 1979 einige legendäre Fotos von Walker Evans, die die verarmte Landbevölkerung in Alabama in den 1920er-Jahren porträtierten. Damit machte sie hehre Kunst zu einer Ware. Wer das ärgerlich findet, sollte bedenken, dass eine solche Konzeptkunst auch immer einen Witz beinhaltet. Levine etwa bringt die Bewunderung für die Alabama-Fotos, die sich über Jahrzehnte hinweg in schwergewichtigen Abhandlungen ergossen hat, wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Ähnliches führte Levine mit der Bilderserie "African Masks after Walker Evans" durch, die vom 15. April bis 5. Juni 2015 in der Kölner "Jablonka Galerie" zu sehen sind. Dafür durchsuchte die Künstlerin ein Konvolut von über 400 Fotografien afrikanischer Kunstwerke, die Walker Evans 1935 im Auftrag des Museum of Modern Art, New York angefertigt hatte. Evans fotografierte sämtliche Objekte der großen Ausstellung „African Negro Art“, die 1935 eine große Strahlkraft auf das Publikum und die Kunstszene besaß. Diese Aufnahmen wurden im Anschluss an die Skulpturenausstellung selbst in mehreren Museen ausgestellt.

Sherrie Levine wählte ausschließlich Masken als Motive für ihre Serie aus. Damit eignete sie sich Objekte an, die keine bekannten Schnitzkünstler als Urheber hatten, ihrer kultischen Umgebung entrissen waren, als Bild verdoppelt und durch Levine nochmals vervielfältigt wurden. Damit bleibt vom „eigentlichen“ Werk nichts mehr übrig. Was bleibt, ist nicht der Gegenstand, sondern bestimmte Techniken und Verfahren: Die afrikanische Maske wurde zum Genussobjekt im westlichen Museum, durch Evans Fotos als Kunstwerk geadelt und bekannt gemacht, was wiederum ihren Marktwert steigerte. Sherrie Levines Auswahl von 24 Aufnahmen nach Walker Evans eröffnet den Diskurs zu solchen Verfahren, die Kunst produzieren. Das hat zwar etwas von einer Nabelschau, doch darf man nie vergessen: Über Kunst nachzudenken, macht Spaß, insbesondere wenn man sie vom Bedeutungsüberschuss entblättert nackt sieht.

 


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