Praxis

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Zehn Lichtformer und was sie leisten

Wer sich Studioleuchten anschafft, macht den ersten Schritt hin zum Profi. Die Grundausstattung gibt es von Bilora und Dörr bereits für 110 bis 200 Euro. Jedoch stellt sich angesichts der vielen zusätzlichen Lichtformer die Frage: Welche brauche ich? FOTO HITS stellt gängige Konstruktionen und ihre Wirkung vor.

1. Reflexschirm

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Der goldfarben beschichte Reflexschirm erzeugt gestreutes, warmes LIcht. Lichtformer: Dörr Reflexschirm 372501-A/gold.

Unverzichtbar, um Licht zu streuen. Zudem glänzt er durch Vielseitigkeit.

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Wenn ein Reflexschirm eingesetzt wird, steht der Blitz gewissermaßen mit dem Rücken zum Model. Dieses wird so nur durch das zurückgeworfene, weiche Licht beleuchtet.

Das Multitalent gehört zur unverzichtbaren Grundausstattung, weshalb es ihn in zahlreichen Varianten gibt.

Erstens bestimmen seine Maße, wie groß die aufgehellte Fläche wird. Zweitens gibt es ihn mit unterschiedlichen Beschichtungen. Eine weiße etwa ergibt ein weicheres Licht als eine silberne.

Die Schattenbildung steuert man durch den Abstand: Je näher die Beleuchtung am Model steht, umso stärker werden die Schatten weggeblitzt.

2. Durchlichtschirm

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Fotograf Tim Solley beleuchtete das Baby von vorne mit einem Blitz samt Durchlichtschirm, was ein sehr weiches Licht erzeugte. Durchlichtschirm: Profoto Umbrella Shallow Translucent.

Für „Softies“; kann ohne durchdachte Lichtregie charakterlos wirken.

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Das mildeste Licht erhält man mit einem Durchlichtschirm. Daher ist er vorteilhaft etwa für romantische Porträts oder wie oben für Babyfotos (das hier noch mit einem normalen Blitz von hinten ausgeleuchtet wurde).

Jeder, der mit einem Baustrahler erste Gehversuche machte, kennt die schlichteste Variante eines Durchlichtschirms: weißes Backpapier, das vor der Lichtquelle befestigt wird. 

3. Softbox

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René Staud gehört zu den Pionieren, die mit riesigen Lichtwannen Autos ausleuchten. © www.staudstudios.com.Softbox unten links: Profoto Softbox RF.

Softboxen in mehreren Größen gehören zur Basisausstattung.

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Rechteckige Softboxen werfen ein diffuses Licht, wie man es bei Fenstern an einem diesigen Tag beobachtet. Setzt man sie bei Porträts ein, muss man sich bewusst sein, dass sie eckige Augenreflexe bewirken.

Ihre Größe richtet sich nach dem auszuleuchtenden Objekt, für eine Ganzkörperaufnahme dürfen es durchaus 150 mal 150 Zentimeter sein. Sehr schmale Softboxen (ab einem Seitenverhältnis von 1:3) laufen unter der Bezeichnung „Strip Lights“. 

Um große Objekte wie ein komplettes Auto abzulichten, greift man zu den Riesen unter den Lichtformern, den Lichtwannen. Sie werden zusammen mit mehreren Leuchtstoffröhren verwendet, da eine einzelne Lampe nicht ausreichen würde.

4. Octabox

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Aufgrund ihrer Eigenschaften ist die Octabox in der Porträtfotografie äußerst beliebt. Modell: Hensel Grand Diffusor 120 cm.

Octa- und Softboxen erfordern aufgrund ihrer Größe stabile Stative!

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Die Oktagon-Softbox (kurz Octabox) gehört zu den „Softboxen“, nur besitzt sie eine acht- statt viereckige Form.

Sie kommt zum Einsatz, wenn ein natürlich wirkender Lichteffekt in den Augen gewünscht ist. Mit mehr Lamellen wie bei dem Hensel Grand Diffusor erhält man eine noch rundere Ausleuchtung.

Außerdem ermöglicht die flächige Ausleuchtung einer Octabox Aufnahmen mit minimalen Schatten und ohne Glanzstellen. Damit sie etwa bei Porträtaufnahmen diesen Zweck erfüllt, muss sie sehr groß sein und erfordert daher leistungsfähige Blitzgeräte. 

5. Beauty Dish

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Am Model und am Schatten sind das helle Innere und die weichen Ränder des Lichtkegels abzulesen. Beauty Dish: Dörr Universal Soft Reflektor. Bild: Anthony Passant, AP Photographie

Porträtfotografen lieben seine besondere Lichtverteilung.

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Der „Beauty Dish“ (wörtlich übersetzt Schönheits-Schüssel) gehört zu Recht zu den beliebtesten Lichtformern.

Er liefert sowohl ein intensives Spot-Licht als auch eine weiche Randausleuchtung, was jedem Bild mehr Tiefe gibt. Dazu kommt ein runder Augenreflex, der für Mode- oder Beauty-Aufnahmen fast unverzichtbar ist.

Diese Effekte verdankt er seinem besonderen Aufbau: Der „Beauty Dish“ ist parabolförmig, die Wölbung ist oft mattweiß gefärbt. In seinem Zentrum sitzt ein Abdeckspiegel. 

6. Diffusor Ball

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Die sehr gleichmäßige Ausleuchtung ergibt ein gutes Hauptlicht. In der Regel ergänzen es Fotografen mit weiteren Fülllichtern. Lichtformer: Dörr Universal Diffusor Ball DB 400.

Wer Räume in ein Foto einbeziehen will, kommt irgendwann zum „Globe“.

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Der „Diffusor Ball“ (auch unter den Namen „Balloon“ oder „Globe“ bekannt) ist ein Spezialist.

Er dient unter anderem dazu, Räume auszuleuchten, da er ein gleichmäßiges Rundumlicht ausstrahlt. Es spricht aber nichts dagegen, mit ihm auch ein harmonisch ausgeleuchtetes Porträt wie im Bild oben zu gestalten.

Fotografen verwenden einen „Diffusor Ball“ gewöhnlich als Hauptlicht und fügen dann Akzente etwa mit kleinen Softboxen hinzu. Falls man ihn in einem Zimmer einsetzt, sollte es hell gestrichen sein, da sich ohne diese Reflexionswirkung das Licht verliert. 

7. Wabenvorsatz

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Die Lichtregie bestand hier aus einem Beauty Dish samt Wabe links und einer mittelgroßen Softbox mit Wabe rechts. Bild: Sean McGrath. Lichtformer: Hensel Wabe für Stripbox 30 mal 120 cm.

Waben sind an die Produktpalette eines Herstellers gebunden.

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Wabenvorsätze kommen nie allein zum Einsatz. Sie werden zusammen mit Softboxen, Beauty-Dish oder Lichtwanne verwendet.

Ihre Gitterform verhindert Streulicht, was die Beleuchtung etwas gerichteter macht. Es gilt die Regel: Je enger und tiefer das Wabenmuster, desto intensiver die Wirkung.

Ob man mit oder ohne Wabe arbeitet, verändert das Ergebnis nur in Nuancen. Aber genau die machen oft ein Meisterwerk aus. Beispielsweise profitiert eine Aktaufnahme davon, wenn die Kontraste und damit die Körperumrisse etwas stärker hervortreten.

8. Abschirmklappen

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Im Vergleich zu einem Durchlichtschirm erzielt man mit Abschirmklappen höchst dramatische Effekte. Bild: Theodore Lee. Lichtformer: Profoto OCF Barndoor.

Setzen ein markantes, aber gut lenkbares Licht.

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Abschirmklappen (im Fachjargon auch „Scheunentore“ genannt), sieht man häufig bei Filmaufnahmen. Denn hier steht oft ein einzelner Schauspieler im Rampenlicht.

Für eine entsprechende Hervorhebung sorgen die beweglichen Klappen: Sie verringern die Streuung des Lichts, richten es also stärker auf ihn aus. Die vier Klappen lassen sich einzeln bewegen, was einige Freiheiten bei der Lichtregie eröffnet.

Diese Eigenschaften machen sich beispielsweise bei einprägsamen Porträtfotos gut.

9. Fresnel-Linse

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Härter als eine Fresnel-Linse ist nur ein nackter Blitzkopf. Trotz leichter Streuung wirkt ihr Licht fast brutal. Daher wird es nur selten ohne zusätzliche Lichtformer eingesetzt. Bild: Michael Barker Studio. Blitzkopf: walimex pro Fresnel-Box mit Universalanschluss.

Gut für harte Schatten und starken Glanz.

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Die Fresnel-, Streulicht- oder Diffusorlinse gehört zur Grundausstattung, um mit klassischem Filmlicht zu arbeiten. Daher gibt es sie bei Firmen wie Profoto und Walser GmbH als komplette Box zusammen mit Abschirmklappen. Letztere begrenzen das ohnehin intensive Schlaglicht auf einen noch engeren Bereich.

Wie der Name „Streulichtlinse“ sagt, verteilt sie das grelle Licht der Blitzbirne ein bisschen. Aber es bleibt immer noch ein dramatisches Licht mit klaren Schatten, wie man es von einem Hollywood-Krimi der „Schwarzen Serie“ erwarten würde.

Das ist nur in Ausnahmefällen erwünscht, weswegen es eher selten als Hauptlicht taugt. Dafür ergeben Streulicht-Linsen ein sehr klar definiertes Streiflicht, das etwa die Konturen eines Körpers schön herausarbeitet.

10. Snoot

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Der „Snoot“ setzt beispielsweise in Produktfotos Akzente. Bild: Markus Spiske. Lichtformer: Spotvorsatz-Set walimex pro.

Kraft- und Lichtbündel für viele Zwecke. 

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Ein „Snoot“ (englisch für „Rüssel“) erzeugt einen sehr engen Lichtkegel, dementsprechend erhält man ein konzentriertes Licht mit starkem Schlagschatten. Aufgrund des geringen Bereichs, den er ausleuchtet, ist er häufig in der Produktfotografie anzutreffen.

Bei Porträts kommt der „Snoot“  zum Einsatz, um den Haaren einen besonderen Glanz zu verleihen, was folgerichtig auch als „Haarlicht“ bezeichnet wird. Dafür positioniert der Fotograf einen „Snoot“ etwas erhöht hinter dem Model, der – ähnlich wie draußen die Sonne – starkes Gegenlicht erzeugt.

Den „Snoot“ kann man sinnvoll mit einem Wabengitter ergänzen, das Streulicht vermindert und daher das Lichtbündel noch mehr konzentriert. Gelegentlich setzen Fotografen auch Farbfolien vor den „Snoot“. Dadurch lassen sich einzelne bunte Farbtupfer im Foto platzieren, was etwa buntes Glitzern aus Schmucksteinen hervorlockt.