Praxis

Bogen Imaging

Kleine Reflektorkunde

Die günstigste Lichtquelle des Fotografen ist das Tageslicht. Obwohl eigentlich die Natur diktiert, wie es jeweils ausfällt, eröffnen Reflektoren viele Gestaltungsmöglichkeiten. 

Viel Licht erscheint immer gut, aber hartes Tageslicht zur Mittagszeit ist kaum für Porträts geeignet. Es produziert zu kräftige Schatten und betont Hautunreinheiten. Es spricht aber nichts dagegen, das Mittagslicht als energiereiche Lichtquelle zu nutzen, solange es gezielt „ausgebremst“ wird. Mit so genannten Diffusoren erzeugt man einen künstlichen Schatten, reduziert das Licht in seiner Intensität und macht dieses auch deutlich weicher. Wer Tipps zu Lichtformer im Studio sucht: zehn Blitzvorsätze und was sie bewirken veranschaulicht der der Artikel "Zehn Lichtformer und was sie leisten".

Grundsätzlich gilt, dass das Licht der frühen Morgenstunde oder ab dem Nachmittag weicher und wärmer ist. Daher eignet es sich weitaus besser für Porträts. 

Das Licht gezielt lenken

Bei Porträtaufnahmen ist direktes Gegenlicht meist unerwünscht, da der extreme Helligkeitsunterschied eine Person in einen schwarzen Schattenriss verwandelt. Dem lässt sich abhelfen, indem man ein Model frontal aufhellt. Hier kommen Reflektoren zum Einsatz, etwa der MicroMini von Sunbounce oder die LiteDisc-Reihe von PhotoFlex (in Deutschland von Bogen Imaging vertrieben). Sie unterscheiden sich dabei in ihren Größen und in ihrer Farbigkeit. Für das Porträt einer Einzelperson etwa reicht ein Durchmesser von 30 bis 56 Zentimeter aus, wenn der Reflektor in der Nähe des Gesichts die Schattenpartien aufhellen soll. 

Sunbounce
Direktes Tageslicht – speziell in der Mittagszeit – kann für Porträts schlichtweg zu hell sein. Das Brautpaar ist geblendet und mit kneift die Augen zusammen.
Sunbounce
Die Diffusoren und Lichtabhalter von Sunbounce sorgen für den notwendigen Schatten, während ein seitlich aufgebauter Reflektor ein sehr schönes, weicheres Licht auf das Motiv lenkt.
Bogen Imaging
Die PhotoFlex-Reflektoren von Bogen Imaging sind in verschiedenen Farbtönen erhältlich, die unterschiedliche Lichtcharakteristiken produzieren. Sie lassen sich einfach zusammenfalten.

Für Gruppenaufnahmen stehen die größeren PhotoFlex-Faltreflektoren mit bis zu 132 Zentimeter Durchmesser zur Verfügung, wobei natürlich auch mehrere Reflektoren gemeinsam genutzt werden können.

Die Reflektoren sind mit unterschiedlichen Stoffen beziehungsweise Reflexfolien überzogen, die verschiedene Lichtcharakteristiken erzeugen oder verstärken.

  • Ein weißer Reflektor etwa wird das Licht in seiner natürlichen Farbe auf den oder die Porträtierten werfen.
  • Nutzt man dagegen einen goldfarbigen Reflektor, dann wandelt sich das Licht in eine warme Beleuchtung, die optimale Hauttöne produziert.
  • Zusätzlich gibt es von PhotoFlex auch Lösungen mit goldfarbigen Oberflächen, die mit einem Zickzackmuster versehen sind. Sie reflektieren das Licht noch etwas diffuser und erzeugen dadurch einen Charakter, der kaum von echtem Tageslicht zu unterscheiden ist.
  • Silberfarbene Reflektoren eignen sich dagegen sehr gut für Aufnahmen von technischen Produkten, die ein etwas kühleres Flair erhalten sollen. Sie liefern außerdem durch ihre kontrastverstärkende Wirkung ganz hervorragende Schwarzweißaufnahmen.
  • Manche Reflektoren sind beidseitig mit unterschiedlichen Farben beschichtet, so dass man etwa die Auswahl zwischen einer neutralen Aufhellung oder dem wärmeren Goldton für ein Porträt hat. Zudem gibt es schwarze Reflektoren, die unter anderem als dunkler Hintergrund Porträts Verwendung finden, vor dem sich die fotografierte Person optisch sehr gut abhebt.

Die PhotoFlex-Reflektoren sind komplett und einfach faltbar, passen dann in eine kleine Stoffhülle und stellen somit auch beim Transport kein wirkliches Hindernis dar. Viele Fotografen packen für Porträts im Außenbereich den kleinen Reflektor grundsätzlich mit in ihre Fototasche, weil er die „Schlepperei“ einfach mit besseren Bildern belohnt.

California Sunbounce bietet außerdem eine Reihe von Lösungen an, bei denen der Aufbau mit stativähnlichen Halterungen sehr stabil erfolgt und dadurch auch sehr große Reflektorschirme genutzt werden können. 

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Ob in Innenräumen oder in schattigen Bereichen im Freien oder – mit dem per Reflektor gelenktem Licht kann man auch recht dunkle Szenen problemlos ausleuchten.
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Ein Fotograf kann auf einen kleinen und transportablen Reflektor wie den California Sunbounce MicroMini zurückgreifen oder - wie hier - Ganzkörperporträts mit graßflächigen Reflektoren optimieren.

Lichtführung in der Praxis

Es gibt Situationen, in denen offensichtlich zu wenig Licht zur Verfügung steht. Doch mittels Reflektoren kann man den verfügbaren Rest gezielt auf das Motiv lenken. Das ist zum Beispiel bei Innenaufnahmen der Fall, bei denen man mit einem Reflektor das durch ein Fenster oder die Terrassentür einfallende Licht einfängt und ins Zimmer umleitet. Dann ist sogar den Einsatz von Kunstlichtquellen wie Blitzgeräten überflüssig. Zudem wirkt das Licht sehr natürlich.

Auch bei Außenaufnahmen in sehr schattigen Bereichen lässt sich diese „Lichtleitung“ durchführen, wie unser Hochzeitsbild oben zeigt. Hier lenkt ein California Sunbounce-Reflektor das Licht von außerhalb der Baumgruppe in den Schattenbereich, um die Szenerie von der Seite auszuleuchten. Durch dieses geschickte Spiel mit Licht und Schatten entstehen wieder sehr schöne Porträts, bei denen die meisten Betrachter überhaupt nicht erkennen, mit welch eigentlich einfachen Tricks gearbeitet wurde, auch wenn es zunächst aufwändig erscheint.