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Wege zum Profi, Teil 3

Fotokurse

Kurse bringen jeden ambitionierten Fotografen weitere. Für manche muss er noch nicht einmal die eigene Wohnung verlassen. Der dritte Teil der FOTO HITS-Serie legt offen, welche Möglichkeiten es gibt und wie man den richtigen Lehrgang auswählt.

Ein lernwilliger Lichtbildner könnte mit geschlossenen Augen loslaufen – er würde sich schneller in einem Fotokurs als in einer Unfallklinik wiederfinden. Selbst wenn man die Übertreibung abzieht, bleibt die Dichte solcher Veranstaltungen erstaunlich hoch: Es gibt VHS-Kurse, Workshops von Fotostudios und privaten Fotoschulen, Festivals, kleine „Photo Walks“ oder ausgedehnte Fernreisen.

Sogar dem bequemsten Fotografen werden Workshops förmlich nachgeschmissen, er muss nicht einmal vom Sofa aufstehen. Firmen veranstalten regelmäßig so genannte Webinare, also Seminare im Web (siehe nächste Absätze). Dabei verfolgen Interessierte am Monitor ein Live-Video, wobei sie über ein Chat-Feld Fragen stellen dürfen – das Ganze oft gratis. Außerdem stellen Online-Anbieter wie „FotoTV“ regelmäßig neue Video-Lehrgänge ins Internet.

Fotokurse jeglicher Art meldet regelmäßig die Website www.fotohits.de. Außerdem kann jeder dort nachschlagen, wo in seiner Nähe ein Anbieter existiert (siehe Kasten unten).

Kurse finden

Fotokurse gibt es wie Sand am Meer. Um ein Angebot nahe dem eigenen Wohnort zu finden, gibt FOTO HITS einen besonderen Service: Auf der Website www.fotohits.de/fotokurse gibt man einfach den Namen einer Stadt ein. Die Datenbank gibt dann einen Anbieter in deren Umkreis aus. Für eine genauere Suche ist sogar die Reichweite bestimmbar.

Workshop
Die Teilnehmerzahl eines Workshops sollte nicht allzu groß sein. Bild: Louish Pixel@flickr.com, Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Qualitätscheck für Kurse

Starfotografen sind sich nicht zu schade, vor einer Klasse von Anfängern zu unterrichten. Schließlich kennen auch sie Zeiten mit Einnahmeflauten, die sie mit Kursen überbrücken. Doch ein guter Fotograf zu sein, bedeutet keineswegs, ein begnadeter Lehrer zu sein. Jeder weiß aus der Schulzeit, dass ein missgelaunter oder planloser Pauker jeden Lerneifer zunichte macht. 

Um den richtigen Kurs auszuwählen, sollten zudem die eigenen Fähigkeiten realistisch eingeschätzt werden. Wer etwa nur mit der Kameraautomatik arbeitet, den werden fortgeschrittene Beleuchtungstechniken überfordern. Bei der Buchung eines Kurses helfen folgende Kriterien:

  • Sehr wichtig: die Gruppengröße. Rudelschießen mit 30 anderen Menschen bringt einen geringen Lerneffekt und macht wenig Spaß.
  • Das Niveau sollte angegeben sein. Dann kann man mit einem Blick einschätzen, ob der Kurs langweilt, überfordert oder einen Sprung nach vorne erlaubt.
  • Bei der Orientierung hilft zudem, wenn die Kursinhalte aufgelistet sind.
  • Es muss klar sein, welche Leistungen im Preis enthalten sind.
  • AGBs und Stornobedingungen erläutern, was geleistet wird und wie man von der Teilnahme zurücktritt.
  • Bei Themen wie Mode, Akt oder Beauty sollte ein Model gestellt werden, bei geteilten Gruppen entsprechend mehrere.
  • Günstig ist, wenn ein Visagist und ein Haar-Stylist anwesend sind.
  • Falls es keine Verpflegung gibt, muss man vorbereitet sein. Liegt ein Studio etwa im Industriegebiet, ist kaum Nahrung zu finden.

Das Angebot gleicht einem Süßigkeitenladen: Manche Workshops glänzen eher mit bunter Verpackung statt mit Inhalten, manche laufen dem eigenen Geschmack zuwider, doch wer seinen Verstand benutzt, findet das Gewünschte. Lernwillige, die sicher gehen wollen, besuchen Fotoschulen der Kamerahersteller. Diese haben einen Ruf zu verlieren und achten daher strikt auf Qualität. Hilfreich ist auch, in Foren wie www.fotocommunity.de oder etwa www.fotografie.at nach Kritiken oder Empfehlungen zu suchen.

Lehrgänge im Überblick

Vor Jahren forderte der erste Fotokurs einem Jugendlichen viel Selbstbewusstsein ab: Gefühlt 80-Jährige wetteiferten mit Kameras, die das eigene Taschengeld niemals hergab. Außerdem pflegte die Seniorengruppe einen technischen Geheimcode, den ein Neuling erst dechiffrieren musste. Heute kann er viel lockerer einsteigen: Vom anonymen Web-Seminar vor dem Monitor bis zu lebendigen Festivals stehen alle Möglichkeiten offen. 

 

> Webinar

An Webinaren kann man vom eigenen Schreibtisch aus teilnehmen. Dafür registrieren sich Interessierte unter einer vom Veranstalter angegebenen Web-Adresse. Zur festgelegten Uhrzeit setzen sie sich vor ihren Computermonitor und folgen live dem Vortrag einer Lehrkraft. Gewöhnlich dürfen die Teilnehmer auch über ein Chat-Feld Fragen stellen.

Einige Dienstleister haben diese preiswerte Lösung professionalisiert: „SqilzTV“ etwa ist ein Web-Portal, das Webinare für Fotografen und Bildbearbeiter anbietet. Neben kostenpflichtigen Seminaren bietet das Unternehmen auch einige Gratis-Kurse. Ebenso geben Profifotografen so ihr Wissen in Seminaren weiter, manchmal sogar ohne Entgelt. Lehrreich sind auch die zahlreichen Videos von FotoTV. Hier erläutern Profis konkrete Lichtregie oder Erfahrungen zu vielen Themen.

Insbesondere Firmen haben Webinare für sich entdeckt. Mit ihnen stellen sie Produkte vor und erläutern ihren Nutzen. Da sie natürlich möglichst viele Fotografen erreichen wollen, verlangen sie im Regelfall kein Geld. Die Software-Anbieter DxO, Ado­be, Franzis und PhaseOne etwa geben regelmäßig Kurse in der Raw-Bearbeitung, X-Rite und Datacolor erläutern das Farbmanagement mit ihren Produkten.

+ Bequem, geringe Hemmschwelle

Nichts ersetzt fotografische Praxis

Preisspanne: gratis bis ca. 100 Euro

Aktuelle Angebote: www.fotohits.de/news/tag/workshop/ oder FOTO HITS-Newsletter

Liste von Veranstaltern unter www.fotohits.de/fotokurse

 

> Volkshochschule

Die gute alte Volkshochschule (VHS) ist unschlagbar preiswert. Selbst Kurse, die mehr als hundert Stunden dauern, kosten kaum mehr als hundert Euro. Hierbei kann man sich auf zuverlässige Strukturen verlassen, etwa bezüglich einer Kostenrückerstattung oder bei Kursausfällen. Die Qualität hängt sowohl vom Dozenten als auch von den Teilnehmern ab. Wenn eine Seite unmotiviert ist, wäre man besser in einem Kurs aufgehoben, der der Binsenweisheit Rechnung trägt: „Was viel kostet, wird auch mehr geschätzt“. 

Da die VHS ein möglichst breites Publikum bedienen will, sind besonders viele Angebote für Einsteiger zu finden. Eine hilfreiche Suchmaske der unten angegebenen VHS-Website lässt aktuelle Seminare in der eigenen Umgebung finden. Hierfür wählt man auf der Startseite unter „Kurssuche deutschlandweit“ die „Erweiterte Suche“.

+ Preiswert, zuverlässig

Motivation schwankend

Preisspanne: Je nach Umfang, höchstens zirka 150 Euro

Angebote: www.volkshochschule.de

 

> Freie Fotokurse

Berufsfotografen, die Kurse anbieten, sind abhängig vom Erfolg. Wer sich keine Mühe gibt, geht schnell unter. Denn die Kunden kommen meist aus der Region und es spricht sich schnell herum, wenn sie den Unterricht unzufrieden verlassen. Schon aus diesem Grund darf man sich auf ein gewisses Niveau verlassen – Ausnahmen gibt es natürlich immer. Doch alte Hasen wie Tilo Gockel oder Fabio Borquez sind in Theorie, Praxis und dem Umgang mit Menschen versiert. Man kann sie daher etwa zu allen Details der Beleuchtungstechnik löchern und wird immer eine wertvolle Antwort erhalten.

Preis und Leistung bewegen sich im oberen Segment. Beispiel: Für einen eintägigen Kurs sind im Durchschnitt 250 Euro zu berappen, ein mehrtägiger Kurs in der Provence mit Starfotograf Greg Gorman kann durchaus über 3.000 Euro kosten.

Das Spektrum der Anbieter ist groß: Es reicht vom lokalen Porträtfotografen, der sich damit ein Zubrot verdient, bis zu großen Veranstaltern wie die Fotoakademie Niederrhein. Unsere Übersicht auf der bereits genannten Website www.fotohits.de/fotokurse ist der schnellste Weg, um einen Anbieter von Fotokursen in der eigenen Nähe zu finden.

+ Hohes Niveau, auch Spezialgebiete

Verdienst lockt gelegentlich schwarze Schafe an

Preisspanne: ab zirka 250 Euro, nach oben offen

Angebote: www.fotohits.de/fotokurse

 

> Fotoschulen von Firmen

Fotokurse mit Strahlkraft bringen jedem Kamera- und Objektivhersteller viel Renommee. Um zu brillieren, versuchen die Firmen einen gewissen Standard zu halten. Allerdings wird dieser Service unterschiedlich stark gepflegt:

Die „Nikon School“ (www.nikonschool.de) bietet regelmäßig Workshops und persönliches Training ab 299 Euro.

Ein ebenso umfassendes Angebot findet man bei der „Canon academy“ (www.cdl-academy.de). Die meisten Kurse sind von Drittanbietern. Störend ist, dass oftmals keine Preise angegeben sind.

In der FujifilmSchool (www.fujifilm.eu/de/produkte/digitalkameras/fujifilmschool/) sind ähnlich viele Lehrgänge zu finden. Alle Angaben sind klar und übersichtlich. Auf Wunsch kann man für sie Leihkameras aus der X-Serie bestellen. 

Auch in Olympus-Workshops (my.olympus-consumer.com/events) darf man eine aktuelle Kamera der OM-D-Serie ausleihen. Die Workshops organisiert Olympus nicht direkt. Die Weiterleitung sorgt etwas für Verwirrung, wenn man sich auf den Seiten etwa der FF-Fotoschule wiederfindet, und dort nochmals den Kurs suchen muss.

Die „Leica Akademie“ (http://de.leica-camera.com/Leica-Akademie/) pflegt den Ruf der Nobelmarke auch bei den Workshops. Sie sind meist gut ausgestattet, die Leistungen sind übersichtlich aufgeführt. Die Gebühren bewegen sich in Preiskategorien zwischen 200 und 500 Euro. 

Calumet, ein Händler für Profi-Kameras und -Zubehör, veranstaltet bewährte Seminare (www.calumetworkshops.de). Sie finden in den Filialen statt, die über ganz Deutschland verteilt sind. Diese kann man in Berlin, Essen, Düsseldorf, Hamburg und München finden.

+ Qualität garantiert

u. U. lange Anreise, Teilnehmerzahl     begrenzt

Preisspanne: ab zirka 150 Euro, nach oben offen

Angebote: siehe Links im Text oben

 

> Fotoreisen

Wenn sein Besitzer über 40 Jahre alt ist, wandert ein Tramper-Rucksack meist auf den Speicher. Nur wenige Fotografen haben noch Lust, sich schwitzend über staubige Pisten zu schleppen. Die Mehrheit sucht die Sicherheit geführter Fotoreisen. Wenn sie gut organisiert sind, bringen sie drei maßgebliche Vorteile:

  1. Man wird zu den schönsten Motiven abseits der Touristenströme geführt.
  2. Ist der Reiseleiter ein erfahrener Fotograf, gibt er wertvolle Tipps oder sogar ganze Lehrgänge.
  3. Teilnehmer können sich mit Kamera-Liebhabern aus der gesamten Reisegruppe austauschen. Allerdings müssen sie im Gegenzug akzeptieren, Aufnahmeorte mit anderen zu teilen. Damit dies nicht zum Lagerkoller führt, ist die Gruppengröße meist begrenzt.

Große Anbieter wie fotoreisen.ch oder www.fotoakademie-niederrhein.de bieten bewährte Qualität. Ebenso kann man sich an Firmen-Angebote etwa der „Nikon School“ (weltweit), der „Tamron Academy“ (weltweit, Schwerpunkt Europa) oder an die jährliche „Sigma Wildlife Fotoreise“ nach Kenia halten.

+ Neue Motive, neue Sichtweisen

Hochpreisig, kaum eigene Zeitplanung möglich

Preisspanne: nach oben offen

Angebote: u.a. www.fotoinfo.de/fotoreisen/

Photo Walk
Bei einem Photo Walk spazieren Gruppen gemütlich in Stadt und Land herum.

> Photo Walk

Wer kurze Wege bevorzugt, geht auf einen Photo Walk statt auf eine Reise. Hierbei begleitet ein Ortskundiger, der fotogene Plätze kennt, durch eine Stadt. Im Gespräch mit anderen kann man beim entspannten Spaziergang voneinander lernen. 

Da ein Photo Walk einfach zu organisieren ist, gibt es unzählige Anbieter: lokale Fotografen, Kamerafirmen, Vereine und Online-Communitys wie flickr. Besonders die individuelle Ausrichtung kommt manchen Interessenten entgegen: Es gibt Photo Walks speziell für Frauen und Jugendliche oder zu jedem nur denkbaren Thema.

Da meist jeder mitwandern darf, kommen bis zu 100 Personen zusammen. Bei solchen Zahlen steht das gesellschaftliche Ereignis im Vordergrund. Wer dagegen eine ruhige Atmosphäre bevorzugt, schaut nach Veranstaltungen mit Voranmeldung und begrenzter Teilnehmerzahl.

+ Vielseitig, großer Spaß

Große Gruppen, straffer Zeitplan

Preisspanne: gratis bis höchstens um 100 Euro

Angebote: u.a. www.fotowalker.de

 

> Festivals

Die großen Foto-Festivals quellen über vor Gelegenheiten, den eigenen Horizont zu erweitern. Sie verbinden Workshops, Fotowalks, Vorträge und technische Fachsimpeleien miteinander. Die nachfolgende Liste zeigt, dass man schon sehr abgelegen wohnt, wenn die Anreise mehr als drei Stunden beträgt:

+ mannigfaltige Angebote

Großer Andrang

Preisspanne: je nach Veranstaltung und Ticket-Variante

Angebote: www.fotohits.de/fotokurse

Rotwild im Nebel © Klaus-Herbert Schröter
Das Ostseebad Zingst hat sich in den letzten Jahren zum Mekka für Fotografen entwickelt. Bild: Rotwild im Nebel © Klaus-Herbert Schröter, ehemaliger Revierleiter und Exkursionsführer.

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