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FOTO HITS erklärt Technik

Bajonettsysteme

FOTO HITS erklärt grundlegende Begriffe der Fotografie - von der Technik über Zubehör bis hin zu Verfahrensweisen. Diesmal im Blickpunkt: Bajonettsysteme.

Es gibt Objektive für viele verschiedene Einsatzbereiche. Dank der „Bajonettsysteme“ moderner SLR oder spiegelloser Systemkameras lassen sie sich schnell austauschen, sodass ein Fotograf diese der jeweiligen Aufnahmesituation anpassen kann.

So stehen ihm viele verschiedene Lösungen mit unterschiedlichen Brennweiten und Lichtstärken an ein und derselben Kamera zur Verfügung. Er ist nicht wie bei Kompaktkameras mit fest eingebauter Optik auf lediglich eine Lösung angewiesen. Stattdessen kann er dank Wechselobjektivbajonett vom Fisheye bis zum Super-Tele oder von der lichtstarken Porträtbrennweite bis zum Tilt-Shift-Objektiv für die Produkt- und Architekturfotografie seine Kamera exakt an die jeweilige Aufgabe anpassen.

Nur leider gibt es viele verschiedene Standards dieser Wechselsysteme, sodass die Verwendung eines Objektivs an allen Kameras unmöglich oder zumindest sehr schwierig ist.

Ursprung

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Die Idee, mit verschiedenen Objektiven den Einsatzbereich einer Kamera zu vergrößern, kam nicht erst mit Spiegelreflexmodellen auf. Bei großformatigen Holzkästen aus den Anfängen der Fotografie konnte bei einigen Geräten die Frontplatte mit dem daran befestigten Objektiv ausgetauscht werden.

Bei den Sucherkameras kamen dagegen zunächst Lösungen mit Schraubgewinde zum Einsatz, um sie mit verschiedenen Objektiven auszurüsten. Beispiele dafür sind noch heute übliche Anschlüsse wie das von Leica in den 1930er-Jahren entwickelte „M39“- und später „M40“- beziehungsweise „M42“-System oder das „C-“ und „CS-Mount“-System für Industriekameras.

Das Schraubgewinde hat aber Nachteile: Dazu gehört etwa das relativ zeitaufwändige Auf- und Abdrehen. Bei modernen Kameras hat sich daher unter anderem ein so genanntes „Bajonettsystem“ durchgesetzt, bei dem metallische Nasen und Aussparungen sowohl an der Kamera als auch am Objektiv ineinandergreifen und dieses fest an der Kamera anschließen.

Das Einrasten selbst ist nur in einer exakt definierten Position von Objektiv- zu Kamera-Bajonett möglich, sodass kein Verkanten und Zerstören beziehungsweise „Überdrehen“ eines Gewindes möglich ist. Zudem benötigt der Anschluss nur eine Viertel- oder Halbdrehung aus dem Handgelenk, sodass der Objektivwechsel schnell und präzise erfolgt. Ein Verriegelungsmechanismus an der Kamera sorgt zudem dafür, dass das Objektiv nicht versehentlich gelockert wird.

Elektromechanik

Weil das Bajonettsystem also dafür sorgt, dass das Objektiv immer in einer exakt definierten Position an seiner Kamera befestigt wird, können im Bajonettsystem selbst noch zusätzliche Anschlüsse integriert werden. So wurde bei älteren SLR-Modellen zum Beispiel eine Kupplung eingebaut, mit der die Kamera auf den Mechanismus der Fokusverstellung zugriff.

Die ersten Autofokussysteme besaßen nämlich Verstellmotoren in der Kamera, mit der sie die Objektivverstellung bei Schärfeänderungen durchführten. Inzwischen nutzen alle Bajonettsysteme elektrische Kontaktflächen, weil sowohl die Fokus- als auch Blendenverstellung durch Antriebe im Objektiv erfolgen. 

Außerdem können über die Kontakte Informationen zwischen Objektiv und Kamera ausgetauscht werden. Die Kamera „erfährt“ dadurch, mit welchem Objektiv, mit welcher Brennweite und mit welcher Blendengröße gearbeitet wird. Sie nutzt das, um bei der Erstellung eines JPEG-Bilds etwaige Fehler zu beheben.

Beispielsweise berechnet sie, wie die Verzeichnung eines Bilds oder eine chromatische Aberration zu korrigieren ist. Damit sind ihre Berechnungen exakt an das Objektiv angepasst.

Bajonett-Vielzahl

Eingangs wurde bereits angedeutet, dass Objektivbajonett nicht gleich Objektivbajonett ist. Alle Kamerahersteller haben ihre eigenen Systeme entwickelt, die schon rein mechanisch nicht zueinander passen und deren elektronische Kontaktflächen dementsprechend anders angeordnet sind. Man kann also das Objektiv für eine Nikon-Kamera mit F-Bajonett nicht an eine Canon-Kamera anschließen.

Dies gilt nicht nur für SLRs, sondern natürlich auch für die spiegellosen Modelle. Samsung, Sony und Fujifilm nutzen jeweils ein eigenes System, Olympus und Panasonic verwenden gemeinsam den Micro-Four-Thirds-Standard, können also zumindest untereinander ihre Objektive tauschen.

Die spiegellosen Modelle bieten aber einen ganz erheblichen Vorteil. Durch den fehlenden Spiegelkasten besitzen sie ein verkürztes „Auflagemaß“ (Abstand von Bajonett/Befestigungsfläche zu Aufnahmesensor oder -film). So können sie rein optisch mit den für SLR- oder Sucherkameras entwickelten Objektiven arbeiten.  

Zudem deckt der Bildkreis einer älteren, für Kleinbildfilme entwickelten Optik den Sensor einer Systemkamera, der APS-C- oder Micro-Four-Thirds-Größe besitzt, problemlos ab.

Und weil es reizvoll ist, die älteren „optischen Schätze“ auch mit modernen Kameras zu nutzen, gibt es für so ziemlich jede denkbare Kombination aus spiegelloser Systemkamera sowie Nikon-, Leica-, Canon-, Contax-, Zeiss- und anderen Objektiven einfache Adapter, die zwischen Objektiv und Kamera geschraubt werden und somit eine Verbindung zwischen beiden herstellen.

Der Nachteil: Die elektronischen Kontakte stehen in der Regel bei den einfachen Adap­tern nicht zur Verfügung, sodass die automatische Fokussierung und Blendeneinstellung nicht genutzt wird.

Besitzt das verwendete „Fremdobjektiv“ einen klassischen Blendenring, kann die Kamera aber im A-Modus arbeiten, bei dem der Fotograf die Blendengröße vorgibt und die Belichtungsautomatik die passende Verschlusszeit wählt. Überdies machen extrem hochauflösende Sucher von spiegellosen Systemkameras mit „Fokus Peaking“ und weiteren Hilfsfunktionen auch das manuelle Fokussieren problemlos möglich.

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